Taiga in Skandinavien und Finnland: Parks und Reisetipps

Wo Sie die Taiga in Finnland, Schweden und Norwegen erleben: Nationalparks mit altem Kiefernwald, Wildnishütten, Jedermannsrecht und die beste Reisezeit.

UrwälderVeröffentlicht

Die Taiga erleben Sie am besten in den Nationalparks Finnisch-Lapplands und Ostfinnlands, in den Schutzgebieten Schwedisch-Lapplands und in einigen Reservaten Ostnorwegens. Dort wandern Sie tagelang durch Kiefern- und Fichtenwald, unterbrochen von Mooren, Flüssen und Seen, und übernachten oft in einfachen Wildnishütten. Wirklich alter Wald konzentriert sich auf Schutzgebiete: Außerhalb davon wurde auch im Norden ein Großteil des Waldes mindestens einmal eingeschlagen.

Was die Taiga ausmacht

Der boreale Wald ist stiller und offener als ein mitteleuropäischer Buchenwald. Waldkiefer und Fichte dominieren, dazu Birke und Espe. Auf kargen Böden können Kiefern sehr alt werden, in manchen Gebieten stehen noch Bäume, die mehrere Jahrhunderte zählen. Feuer gehörte hier zum natürlichen Kreislauf, viele alte Kiefern tragen Brandnarben am Stammfuß. Bartflechten an Fichtenzweigen und Teppiche aus Rentierflechte am Boden sind typisch für alte, ungestörte Bestände.

Wie man das Alter eines Waldes an solchen Zeichen abliest, zeigt Woran man einen Urwald erkennt.

Wohin reisen

Finnland

Finnland gehört zu den waldreichsten Ländern Europas. Die staatliche Forstverwaltung Metsähallitus betreut die Nationalparks und veröffentlicht Wegeinfos und Hüttenlisten auf Nationalparks.fi.

  • Oulanka im Nordosten: Flusstäler, Stromschnellen und der Karhunkierros (Bärenrunde), eine der bekanntesten Mehrtagestouren des Landes.
  • Urho Kekkonen und Lemmenjoki in Lappland: große Nationalparks mit Fjells, altem Kiefernwald und wenigen Menschen.
  • Patvinsuo und Hossa in Ostfinnland: Wald, Moore und Seen, ruhiger als die bekannten Lappland-Parks.

Schweden

  • Laponia in Schwedisch-Lappland ist UNESCO-Welterbe und umfasst mehrere Nationalparks. Muddus ist für alten Wald und Moore bekannt, Sarek und Padjelanta sind Hochgebirge.
  • Skuleskogen an der Höga Kusten: alter Wald auf Felshängen über der Ostsee.
  • Tyresta bei Stockholm schützt alten Kiefernwald und ist einer der einfachsten Orte, um naturnahe Taiga ohne lange Anreise zu sehen.

Norwegen

In Ostnorwegen gibt es kleinere, aber spannende Schutzgebiete, etwa Øvre Pasvik an der russischen Grenze im äußersten Nordosten, ein seltenes Stück Taiga sibirischer Prägung, und Femundsmarka an der Grenze zu Schweden.

Jedermannsrecht in Kürze

Alle drei Länder kennen ein traditionelles Jedermannsrecht: Finnland jokamiehenoikeudet, Schweden allemansrätten, Norwegen allemannsretten. Grundsätzlich dürfen Sie nicht bewirtschaftetes Land betreten und kurz mit Abstand zu Häusern zelten. Aber:

  • in Nationalparks und Naturreservaten ist Zelten oft nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt,
  • offenes Feuer ist häufig verboten, besonders in trockenen Sommern,
  • die Details unterscheiden sich je Land.

Den Vergleich mit Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo Wildcampen weitgehend verboten ist, zeigt Wildcampen in Europa: Regeln je Land. Das ist ein Überblick, keine Rechtsberatung.

Wildnishütten

In Finnlands Nationalparks und Wildnisgebieten gibt es ein Netz offener Wildnishütten, kostenlos und für alle, die ankommen, dazu buchbare Hütten gegen Gebühr. Schweden und Norwegen haben eigene Hüttensysteme von Touristenvereinen und Staat. Hütten sind ideal für Nächte in der Taiga, ein Zelt oder Notbiwak gehört trotzdem in den Rucksack, denn eine offene Hütte kann voll sein. Hüttentypen im Überblick: Abgelegene Waldhütten in Europa.

Reisezeit

Zeitraum Bedingungen
Juni bis Juli Mitternachtssonne im Norden, viele Mücken, nasse Wege
August weniger Insekten, Beeren, oft stabiles Wetter
September Herbstfarben („Ruska“), kalte Nächte, erste Polarlichter
Oktober bis April Schnee, kurze Tage, nur Ski- und Schneeschuhtouren

Was in den Rucksack gehört

Die Taiga verlangt keine Expeditionsausrüstung, aber einige Dinge machen den Unterschied:

  • Mückenschutz: Kopfnetz, langärmelige Kleidung und ein wirksames Mittel, im Hochsommer unverzichtbar,
  • wasserfeste Schuhe oder Gamaschen, weil Moorstrecken und Bohlenwege oft nass sind,
  • warme Schicht auch im August, die Nächte können nahe am Gefrierpunkt liegen,
  • Wasserfilter oder Tabletten, auch wenn das Wasser klar wirkt,
  • Zelt oder Notbiwak, selbst wenn Sie Hütten nutzen wollen,
  • Proviant für einen Reservetag, denn Läden gibt es oft nur an der Straße.

Eine vollständige Liste für mehrtägige Touren steht im Bereich Praxis.

Die Entfernungen sind groß, Handyempfang abseits der Straßen lückenhaft. In bekannten Parks sind Wege gut markiert, in Wildnisgebieten navigieren Sie nach Karte. Offline-Karten vorher laden, Papierkarte und Kompass dabeihaben; die Grundlagen erklärt Offline-Karten und Navigation abseits der Wege. Der Notruf ist in allen drei Ländern 112. Flüsse sind auch im Sommer kalt und schnell, auf offenen Fjells schlägt das Wetter rasch um.

Anreise

Von Deutschland nach Schweden kommen Sie per Bahn über Dänemark oder per Fähre, nach Finnland per Fähre über die Ostsee. Nachtzüge fahren von Stockholm nach Schwedisch-Lappland und von Helsinki nach Rovaniemi und Kolari. Ab den Bahnhöfen bringen Busse oder Taxis Sie zu den Parks, in abgelegenen Regionen oft nur saisonal. Weitere leere Ecken des Kontinents zeigt Die abgelegensten Orte Europas.

Häufige Fragen

Was ist die Taiga?

Die Taiga oder der boreale Nadelwald ist der Waldgürtel, der die Nordhalbkugel südlich der Tundra umspannt. In Europa prägen ihn Waldkiefer und Fichte, dazu Birken, Moore und unzählige Seen.

Darf man in Skandinavien überall zelten?

Das Jedermannsrecht erlaubt kurzes Zelten auf nicht bewirtschaftetem Land mit Abstand zu Häusern. In Nationalparks und Naturreservaten ist Zelten aber oft nur an ausgewiesenen Plätzen erlaubt, und Feuer sind häufig verboten.

Wann sind die Mücken am schlimmsten?

Meist von Ende Juni bis Ende Juli, besonders an Mooren und Seen. Ab Mitte August wird es deutlich besser.

Kommt man mit dem Zug nach Lappland?

Ja. Nachtzüge fahren von Stockholm nach Schwedisch-Lappland und von Helsinki nach Rovaniemi und Kolari. Aus Deutschland erreichen Sie Schweden per Bahn über Dänemark oder per Fähre, Finnland per Fähre über die Ostsee.

Mehr aus Urwälder