Die abgelegensten Orte Europas und wie man hinkommt

Die abgelegensten Orte Europas nach Reisezeit, Straßenabstand und Bevölkerungsdichte: von Lappland und Islands Hochland bis Schottland und Balkan.

Abgelegene OrteVeröffentlicht

Die abgelegensten Orte Europas liegen im Norden Skandinaviens und Finnlands, im isländischen Hochland, in den schottischen Highlands, in Teilen der Karpaten und in den Hochgebirgen des Balkans. Welcher Ort ganz vorn liegt, hängt vom Maßstab ab: Reisezeit zur nächsten Stadt, Abstand zur nächsten Straße oder wie wenige Menschen in der Nähe leben. Jeder Maßstab ergibt eine andere Liste, deshalb nennen wir jeweils, welcher gilt.

Drei Maßstäbe für Abgeschiedenheit

Kriterium Was es zeigt Geeignet für
Reisezeit zur Stadt wie lange man auf dem schnellsten Weg bis zu einem Stadtgebiet braucht Vergleich großer Regionen
Abstand zur nächsten Straße wie weit man von jeder Straße oder Piste laufen muss straßenfreie Wildnis finden
Bevölkerungsdichte wie viele Menschen in einem Gebiet leben ruhige Landschaften finden

Der erste Ansatz ist die Grundlage weltweiter Reisezeitkarten, die wir in Erreichbarkeitskarten erklärt vorstellen. In diesem Maßstab ist Europa einer der am besten erschlossenen Kontinente.

Abgelegene Regionen im Überblick

Nordskandinavien und Finnland

Der Norden Norwegens, Schwedens und Finnlands verbindet geringe Bevölkerungsdichte, große Entfernungen und weite Schutzgebiete. Der Sarek-Nationalpark in Schwedisch-Lappland hat keine Straßen und kaum markierte Wege oder Brücken, eine Durchquerung ist eine ernsthafte Gebirgstour. Finnisch-Lappland hat große Wildnisgebiete, in denen tagelang nur Wildnishütten stehen. Die Waldgebiete beschreibt Taiga in Skandinavien und Finnland.

Isländisches Hochland

Das Innere Islands ist weitgehend unbewohnt. Die Hochlandpisten sind Schotterwege, meist nur im Sommer offen und nur mit geeigneten Allradfahrzeugen befahrbar, Flüsse müssen durchfahren werden. Straßenzustand und Sicherheitshinweise veröffentlichen die isländische Straßenbehörde und Safetravel.

Schottische Highlands

Schottland hat einige der leersten Landschaften Westeuropas. Gebiete wie Knoydart, das nicht an das übrige Straßennetz des Festlands angeschlossen ist, oder die Berge zwischen Loch Maree und Little Loch Broom erreichen Sie nur zu Fuß oder per Boot. Das schottische Zugangsrecht erlaubt verantwortungsvolles Wildcampen, was Mehrtagestouren erleichtert.

Karpaten

Die Waldgebirge Rumäniens, der Slowakei und der Ukraine haben lange Täler ohne feste Siedlungen und einige der letzten Urwälder Europas. Zugang und Sicherheit erklärt Buchenurwälder der Karpaten.

Balkangebirge

Das Prokletije-Gebirge (Verwunschene Berge) an der Grenze von Albanien, Montenegro und Kosovo und Teile der Dinariden verbinden steiles Gelände mit sehr wenigen Straßen. Grenzüberschreitende Wanderwege haben die Region in den letzten Jahren erschlossen, die Infrastruktur bleibt aber einfach.

Inneres Spanien

Teile des spanischen Hochlands, vor allem die Bergregionen zwischen Aragonien, Kastilien-La Mancha und Kastilien und León, gehören zu den am dünnsten besiedelten Regionen der EU. Straßenfrei sind sie nicht, aber die Dörfer sind klein und liegen weit auseinander.

Die Ränder

Spitzbergen, abgelegene Azoreninseln und die Färöer sind geografisch entlegen, aber oft gut per Flug oder Fähre angebunden. Auf Spitzbergen gelten für Touren außerhalb der Siedlungen eigene, strenge Regeln, unter anderem zum Schutz vor Eisbären.

Und im deutschsprachigen Raum?

Echte Abgeschiedenheit im europäischen Sinn gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz kaum. Am ehesten finden Sie sie in hochalpinen Tälern ohne Straße oder in den Kernzonen großer Nationalparks. Welche Maßstäbe hier sinnvoll sind und wo die stillsten Ecken liegen, zeigt Die einsamsten Orte Deutschlands.

Was abgelegen für Reisende heißt

  • Anreise ist die größte Hürde. Busse zu Ausgangspunkten fahren oft nur im Sommer oder wenige Male pro Woche.
  • Kein Netz. Der Handyempfang endet oft an der letzten Straße. Mit Offline-Karten planen und jemandem die Route mitteilen.
  • Das Wetter entscheidet. Im Gebirge und im hohen Norden ändern sich die Bedingungen schnell, Umkehren gehört zum Plan.
  • Hilfe ist weit weg. Der Notruf 112 gilt in der EU und vielen anderen Ländern Europas, Rettung kann aber Stunden dauern.

Wann sich die Reise lohnt

Die Saison in abgelegenen Regionen ist oft kurz. Im hohen Norden und im isländischen Hochland sind Wege und Pisten meist nur von Ende Juni bis in den September hinein sinnvoll begehbar, Busse fahren oft nur in dieser Zeit. In Schottland ist das Wetter ganzjährig wechselhaft, Mai und September gelten als ruhiger und mit weniger Kriebelmücken. Karpaten und Balkan sind von Juni bis Oktober am besten, im Hochsommer drohen Gewitter am Nachmittag. Wer im Winter reist, braucht Erfahrung mit Schnee und Kälte und sollte sich vorab erkundigen, welche Hütten und Verbindungen überhaupt geöffnet sind.

Übernachten

In vielen abgelegenen Regionen sind Hütten die einzigen Gebäude: offene Wildnishütten in Finnland, Hütten der Touristenvereine in Schweden und Norwegen, Bothies in Schottland. Die Typen erklärt Abgelegene Waldhütten in Europa.

Abgelegen und dunkel

Gebiete fern der Städte sind nachts auch die dunkelsten. Mehrere abgelegene Regionen sind als Sternenparks anerkannt, siehe Sternenparks in Europa.

Häufige Fragen

Welcher Ort ist der abgelegenste Europas?

Das hängt vom Maßstab ab. Nach Reisezeit zur nächsten Stadt liegen Teile des isländischen Hochlands und des hohen Nordens vorn, nach Abstand zur nächsten Straße Gebirge wie Sarek in Schweden, nach Bevölkerungsdichte das Innere Spaniens und Nordfinnland.

Gibt es in Europa Gebiete ganz ohne Straßen?

Ja, im weltweiten Vergleich aber nur kleine. Größere straßenfreie Räume gibt es vor allem in den Gebirgen Skandinaviens und Islands und in einigen Nationalparks. In Mitteleuropa ist fast jede Fläche von Straßen oder Forstwegen durchzogen.

Braucht man Erfahrung für solche Ziele?

Für die Ränder nicht, viele sind über markierte Wege erreichbar. Für Mehrtagestouren in straßenfreie Gebiete brauchen Sie Navigationskenntnisse, passende Ausrüstung und einen Plan für schlechtes Wetter, denn Hilfe kann Stunden entfernt sein.

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