Sicherheit im Wald: echte Risiken und gute Vorbereitung
Welche Risiken in abgelegenen Wäldern real sind, von Zecken und Wetter bis Verirren, wie Sie vorsorgen, was in den Rucksack gehört und wann die 112 hilft.
PraxisVeröffentlicht
Die echten Risiken in abgelegenen Wäldern sind selten spektakulär. Die meisten Vorfälle haben mit Verirren, Wetter oder einbrechender Dunkelheit zu tun, mit einem verstauchten Knöchel weit weg von der Straße, mit herabfallenden Ästen oder mit Krankheiten, die Zecken übertragen. Wilde Tiere sind ein viel kleineres Risiko, als viele glauben. Gute Planung, ein paar einfache Gewohnheiten und der Notruf 112 decken fast alle Situationen ab.
Diese Seite gibt allgemeine Hinweise für die Tourenplanung. Sie ersetzt weder ärztlichen Rat noch die offiziellen Warnungen der Schutzgebietsverwaltungen.
Vor dem Start
- Plan hinterlassen: Route, geplante Rückkehr und was zu tun ist, wenn Sie sich nicht melden.
- Wetter prüfen: kurz vor dem Aufbruch, einschließlich Sturm- und Gewitterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes.
- Aktuelle Hinweise lesen: Nationalparks melden Sperrungen, Sturmschäden, Feuerverbote und Jagdtermine.
- Tageslicht einplanen: Im Herbst wird es im Wald früh dunkel, eine Stunde vor Sonnenuntergang am Ziel sein.
- Navigation vorbereiten: Offline-Karte und Reserve, siehe Offline-Karten und Navigation.
Die wichtigsten Risiken
| Risiko | Wo | Was hilft |
|---|---|---|
| Verirren | große, flache oder dichte Wälder | Offline-Karte, Papierkarte, früh umkehren |
| Wetter und Kälte | überall, besonders in Höhenlagen | Zwiebelprinzip, Regenschutz, Vorhersage lesen |
| Herabfallende Äste und Bäume | alte Wälder, nach Stürmen, Kernzonen | nicht unter toten Bäumen rasten, bei Sturm meiden |
| Zecken | fast ganz Europa | lange Kleidung, Absuchen, Impfberatung |
| Verletzung fern von Hilfe | abgelegene Gebiete | Erste-Hilfe-Set, Handy, hinterlegter Plan |
| Jagd | Herbst und Winter | Absperrungen bei Drückjagden beachten, helle Kleidung |
| Waldbrand | Südeuropa, trockene Sommer auch bei uns | Feuerverbote einhalten, kein offenes Feuer |
Totholz und waldtypische Gefahren
In Wäldern, die sich selbst überlassen bleiben, etwa in den Kernzonen des Nationalparks Bayerischer Wald, gehören abgestorbene Bäume zum Ökosystem und können ohne Vorwarnung umstürzen. In Deutschland betreten Besucher den Wald grundsätzlich auf eigene Gefahr, gerade was waldtypische Gefahren angeht. Rasten oder zelten Sie nicht unter toten Bäumen und meiden Sie den Wald bei Sturm und nach starkem Schneefall. Gesperrte Wege sind meist aus genau diesem Grund gesperrt, etwa nach Windwurf oder wegen Holzernte mit schweren Maschinen; Absperrungen sollten Sie daher nie umgehen.
Zecken
Zecken übertragen fast überall in Europa Borreliose und in bestimmten Risikogebieten FSME, etwa in weiten Teilen Süddeutschlands, in Österreich, der Schweiz, im Baltikum und in Skandinavien. Das Robert Koch-Institut veröffentlicht die aktuellen FSME-Risikogebiete in Deutschland. Was hilft:
- lange Hosen, in die Socken gesteckt, helle Kleidung
- jeden Abend den ganzen Körper absuchen
- Zecken zügig mit Pinzette oder Zeckenkarte entfernen
- vor der Reise ärztlich klären, ob eine FSME-Impfung sinnvoll ist
Wildtiere
Braunbären leben in den Karpaten, auf dem Balkan, in Skandinavien und Finnland. In Bärengebieten an unübersichtlichen Stellen Geräusche machen, nie Jungtieren nähern, Essen nicht im Zelt aufbewahren und lokale Hinweise befolgen; mehr dazu in Buchenurwälder der Karpaten. Wölfe sind in viele Regionen Deutschlands zurückgekehrt und stellen für Menschen nur sehr selten eine Gefahr dar. Wildschweine können mit Frischlingen wehrhaft sein; geben Sie ihnen Raum.
Was in den Rucksack gehört
Auch für eine Tagestour in abgelegenen Wäldern: Wasser, Proviant, warme und wasserdichte Schicht, Stirnlampe, kleines Erste-Hilfe-Set, geladenes Handy mit Powerbank und eine Pfeife. Die vollständige Liste steht in unserer Ausrüstungsliste für Wildnistouren.
Hilfe rufen
Die 112 ist in allen EU-Staaten und vielen Nachbarländern die Notrufnummer. Beim Anruf:
- Standort so genau wie möglich nennen: Koordinaten aus der App, Wegname, markante Punkte.
- Sagen, was passiert ist und wie viele Personen betroffen sind.
- In der Leitung bleiben und Fragen beantworten.
- Handy eingeschaltet lassen und Akku für den Rückruf schonen.
Viele Smartphones übermitteln beim Wählen der 112 automatisch ihren Standort. In deutschen Wäldern stehen zudem nummerierte Rettungspunkte; die Nummer zu nennen hilft der Leitstelle. Für Menschen, die nicht telefonieren können, gibt es in Deutschland die offizielle Notruf-App nora. Ohne Netz hilft oft ein Standortwechsel auf eine offene Anhöhe.
Wenn Sie sich verirrt haben
Stehen bleiben, ruhig werden, nachdenken. Zum letzten sicheren Punkt zurückgehen. Wenn Sie den Weg nicht finden und es dunkel wird, bleiben Sie, wo Sie sind, ziehen Sie warme Kleidung an und machen Sie sich sicht- und hörbar. Suchtrupps beginnen bei der geplanten Route, deshalb ist der hinterlegte Plan so wichtig.
Sicher übernachten
Wählen Sie Ihren Platz abseits von toten Bäumen, trockenen Bachbetten und exponierten Kämmen, und halten Sie sich an die Regeln vor Ort. Wo Übernachten überhaupt erlaubt ist, erklärt unser Überblick Wildcampen in Europa: Regeln je Land.
Häufige Fragen
Welche Notrufnummern brauche ich?
Die 112 ist in allen EU-Ländern und vielen Nachbarländern kostenlos erreichbar, auch in der Schweiz, Norwegen und Großbritannien. Zusätzlich gibt es eigene Nummern für die Bergrettung, etwa 140 in Österreich oder 1414 für die Schweizer Rettungsflugwacht Rega.
Sind Wölfe für Wanderer gefährlich?
Angriffe wildlebender Wölfe auf Menschen sind in Europa äußerst selten. Bleiben Sie ruhig, halten Sie Abstand, machen Sie sich bemerkbar und füttern Sie niemals. Hunde gehören in Wolfsgebieten an die Leine.
Was tun nach einem Zeckenstich?
Entfernen Sie die Zecke zügig und vorsichtig mit Pinzette oder Zeckenkarte und beobachten Sie die Stelle einige Wochen lang. Bei einer sich ausbreitenden Rötung oder grippeähnlichen Beschwerden gehen Sie zum Arzt und erwähnen den Stich.
Kann ich allein in abgelegene Wälder?
Viele tun das, der Spielraum für Fehler ist aber kleiner. Hinterlassen Sie einen genauen Plan, wählen Sie anfangs bekannte Wege, nehmen Sie ein Notrufmittel mit und kehren Sie früh um, wenn sich die Bedingungen ändern.
Mehr aus Praxis
Spurenlos im Wald unterwegs: Leave No Trace in Europa
Die sieben Leave-No-Trace-Grundsätze für Wälder in Deutschland und Europa erklärt: Planung, Lagern, Müll, Feuer, Wildtiere, Rücksicht und die Rechtslage.
Waldbaden: Anleitung für Shinrin Yoku ohne Heilversprechen
Was Waldbaden ist, wie Sie es Schritt für Schritt üben, was die Forschung zeigt und was nicht, und wo Sie in Deutschland einen passenden Wald finden.